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Kaffee und Milch: Konkurrenten für Arzneimittel

Dass sich Grapefruit und Milch mit Arzneimitteln nicht gut vertragen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch es gibt noch mehr Lebensmittel, die Einfluss auf die Medikamententherapie nehmen.
von Saskia Fechte...

„Medikamente wirken nur optimal in idealer Umgebung“, erläuterte Dr. med. Günther Schwarz auf der Tagung Ernährung aktuell des UGB*. Der Mediziner schätzt die Wechselwirkungen zwischen der Ernährung und Medikamenten als deutlich komplexer ein als zwischen zwei Arzneimitteln. Denn die Zusammensetzung von Lebensmitteln sowie die Verdauungsvorgänge verändern Säure-Basen-Relation, Gallen- und Leberstoffwechsel und weitere Körperfunktionen.

Einige Nährstoffe benutzen die gleichen Transportsysteme wie Arzneiwirkstoffe und konkurrieren mit ihnen. Das beeinflusst die Aufnahme und Wirkung von Medikamenten. „Bringt ein Medikament nicht die erhoffte Wirkung, steckt gegebenenfalls die Ernährung dahinter“, so die Erfahrung von Dr. Schwarz. „Eventuell muss die verschriebene Dosis vom Arzt angepasst werden.“

Bei welchen Lebensmitteln ist Vorsicht geboten?

  • Grapefruit und Pomelo enthalten Stoffe, die sich an bestimmte Enzyme in unserem Körper binden und so den bei der Dosis einkalkulierten Verlust von Medikamenten bis zu vier Tage lang aufheben. Die Wirkung kann dadurch extrem verstärkt werden. Betroffen sind Kalziumkanalblocker zur Blutdrucksenkung, Mittel gegen Epilepsie und Allergien, Neuroleptika und Statine gegen Fettstoffwechselstörungen.
  • Kalzium, Magnesium, Zink und Eisen bilden Komplexe mit Wirkstoffen aus Medikamenten sowie untereinander. Mineralwässer und Speisen, die viel davon liefern, sollten daher in zwei bis drei Stunden Abstand zur Medikamenteneinnahme verzehrt werden, damit die Wirksamkeit der Mittel gewährleistet ist. Typische Arzneistoffe, die solche Komplexe bilden: Schilddrüsenhormone, Eisenpräparate, Antibiotika, Osteoporosemedikamente.
  • Milch senkt die Bioverfügbarkeit von Eisenpräparaten und Antibiotika.
  • Alkohol verzögert zunächst die Magenentleerung und führt dann zu einer plötzlichen Entleerung in den Dünndarm. Dadurch können Überdosierungen entstehen, die etwa die Wirkung von beruhigenden Arzneimitteln gefährlich verstärken. Weitere Wechselwirkungen bestehen mit Statinen, Marcumar, Metformin sowie Antihistaminika und Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Diclofenac.
  • Proteinreiche Lebensmittel wie Käse und gereiftes Fleisch können durch die enthaltene Aminosäure Tyramin den Blutdruck radikal ansteigen lassen. Große Eiweißmengen können außerdem die Wirkung von Parkinson-Medikamenten herabsetzen.
  • Kaffee und Tee stehen bei der Verstoffwechselung in direkter Konkurrenz zu Rheumamitteln und Schilddrüsenhormonen. Enthaltene Gerbstoffe bilden außerdem Komplexe mit Wirkstoffen aus Antidepressiva und Neuroleptika.
  • Ballaststoffe können durch die erhöhte Wasserbindung im Darm die dortige Resorption von Arzneimitteln beeinträchtigen. Vermutlich sind Statine, Herzglykoside und Antidepressiva davon betroffen.
  • Soja hemmt die Bildung von Schilddrüsenhormonen und kann als konzentriertes Nahrungsergänzungsmittel Einfluss auf die weiblichen Sexualhormone haben.

Ob Sie ein Medikament vor, während oder nach dem Essen einnehmen, ist therapieentscheidend. Lesen Sie den Beipackzettel aufmerksam und erkundigen Sie sich, wie Ihre Medikamente anzuwenden sind. Ihr Apothekenteam weiß außerdem, welche Lebensmittel bei Ihren Arzneimitteln Wechselwirkungen hervorrufen.

*UGB: Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. , www.ugb.de

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